03.10.2011 – Melancholia

1 11 2011

Bildgewaltiges und faszinierendes Werk von Lars von Trier

Lars von Trier als „enfant terrible“ zu bezeichnen, ist nicht erst nach seiner schon legendären „Nazi-Pressekonferenz“ üblich. Auch mit seinen Filmen provoziert der Regisseur, zuletzt mit „Antichrist„, seit längerem. Durch seine Art Regeln und Tabus zu brechen, spaltet von Trier, der zu den wichtigsten Regisseuren der letzten 20 Jahre gehört, die Kritiker.  Unbestritten bleibt, welche kreatives Genie von Trier ist. Auch mit „Melancholia“ wird er die meisten Zuschauer wieder vor ein Rätsel stellen: Es wird wohl kaum zwei Personen geben, die das Kino mit der identischen Interpretation verlassen. Ob man inhaltlich etwas mit „Melancholia“ anfangen kann, wird den Ausschlag darüber geben, ob man den Film  für grandios oder „nur“ für außergewöhnlich hält. Künstlerisch ist das Werk sowieso  über jeden Zweifel erhaben.

Melancholia ist in zwei Teile unterteilt: Der erste Teil handelt vor allem von Justine (Kirsten Dunst) und Ihrer Hochzeit mit Michael. Doch das Fest gestaltet sich  immer mehr zu einem Problem, da zwischen den Gästen Streitigkeiten überwiegen und sich Justine immer weiter von ihrem Ehemann und den restlichen Personen entfernt. Dazu kommt der Planet „Melancholia“, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet. Der zweite Teil des Films konzentriert sich mehr auf Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg), die zusammen mit Ihrem Mann die psychisch geschwächte Justine aufnimmt. Während Justine sich weiterhin ungewöhnlich verhält, schaut Claire besorgt in den Himmel, da Melancholia sich immer weiter der Erde nähert.

Der Regisseur macht es dem Zuschauer nicht leicht, die Handlung und deren Hintergründe zu enträtseln. Über allem steht natürlich das Thema „Depression“ (unter denen der Regisseur selber leidet), für die der Film eine große Parabel darstellt. Vieles an „Melancholia“ ist eine Metapher über die Auswirkungen aber auch den Umgang mit Depressionen: Die Abgeschiedenheit der wenigen Personen, die scheinbar nicht existierende Außenwelt und die Unausweichlichkeit des Schicksals sind alles Bilder die sich in dem Film wiederfinden, und die Sicht von von Trier auf das Thema zeigen. Wie die einzelnen Elemente, vor allem die beiden zentralen Handlungsstränge des Films, genau zusammenpassen, wird nicht klar ersichtlich. Es bleibt im Auge des Zuschauers diese zu deuten. Das Thema Depression ist dabei der Schlüssel, der einige Hinweise gibt, aber längst nicht alles erklärt.

Unabhängig von der Handlung, besticht der Film durch die Form, die von Trier ihm gibt. Erzählerisch könnte man dem Film möglicherweise einiges ankreiden – rein filmisch gibt es nichts zu kritisieren. Schon der Prolog (in dem unter anderen der grandiose „Letztes Jahr in Marienbad“ zitiert wird) ist eindrucksvoller als manche Effektschlacht  und bietet neben „Tree of life“ die eindrucksvollsten Bilder des Kinojahres. „Melancholia“ ist ein Film zum genießen: Die Musik, die visuelle Gestaltung und die Art wie die Personen des Films interagieren ist einfach bewundernswert – unabhängig davon wie man den Film interpretiert. Von Trier beweist zum wiederholten Male, dass er ein begnadeter Regisseur ist. Das zeigt sich auch an seiner Schauspielführung, die unter anderem eine der besten Leistungen aus Kirsten Dunst herausholt.  Ein altbekanntes Manko bei Filmen dieser Art bleibt sicherlich, dass der Zugang einigen Zuschauern verschlossen bleiben wird. Wer für die Handlung keine Erklärung parat hat, dem bleibt nur noch die Form – ohne Inhalt. Diese allein macht „Melancholia“ schon zu einem Film weit über Durchschnitt, dennoch muss man wohl mit der Geschichte „einverstanden“ sein, um in dem Film auch ein Meisterwerk zu sehen.

„Melancholia“ ist nach „Tree of Life“ der zweite große Film des Jahres, der neben der Leinwand auch die Wahrnehmung des Zuschauers sprengt. Von Trier hat trotz des schweren Themas ein wunderschönes Werk geschaffen, das aus der Kinolandschaft heraussticht und auch in Jahren noch bewundert wird. Jetzt liegt es an de Zuschauern, dieses Werk zu würdigen.

Wertung 9/10


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