18.09.2011 – Shanghai

21 09 2011

Stellenweise stilvoller Krimi mit allzu deutlichen Mängeln

Shanghai ist ein stimmungsvolles Agentendrama, das in seinen besten Momenten ein bisschen an „Casablanca“ oder “Der dritte Mann” erinnert. Irgendwo zwischen all den Verstrickungen der Hauptpersonen könnte ein richtig guter Film versteckt sein. Leider weißt “Shanghai” aber auch so eklatante Mängel auf, dass der Film sein Potential nie voll ausschöpfen kann.

Der amerikanische Geheimagent Paul Soames (John Cusack) reist 1941, kurz vor dem Angriff auf Pearl Harbour nach Shanghai, um dort seinen Freund Connor zu treffen. Nachdem dieser umgebracht wird, soll Soames den Mord aufklären und herausfinden auf welche Fährte Conner sich zuvor begeben hat. Für seine Nachforschungen muss sich Soames mit dem chinesischen Gangster Anthony Lan-Ting (Yun-Fat Chow) und dessen schöne Frau Anna (Li Gong) anfreunden und gleichzeitig mit dem japanischen Geheimdienstoffizier Tanaka (Ken Watanabe) zurecht kommen. Als Soames sich in Anna verliebt, macht das die Ermittlungen nicht leichter.

Die Handlung ist eine der größten Kritikpunkte an Shanghai. Auch wenn Autor “Hosein Amini” ein komplexes Bild mit vielen Nebenpersonen und Erzählsträngen entwirft, schafft es der Film nie, den Zuschauer dafür richtig zu begeistern. Zu ziellos wirkt das Drehbuch und spätesten in den letzten 10 Minuten wird auch klar warum dies so ist  SPOILER (minimal) WARNUNG. Alles was vorher aufgebaut wird bricht dann nämlich in sich zusammen. Viele der Spuren, die Cusacks Charakter sammelt, führen nicht nur ihn, sondern auch den Zuschauer an der Nase herum. Einige Indizien und Wendungen verlaufen ins Nichts, so dass man sich am Ende fragt, wofür das alles eigentlich nötig war. SPOILER Ende Auch die Ausführung der Geschichte ist nicht elegant gelöst. Minutenlang erzählt eine Stimme aus dem Off sämtliche Hintergründe, Vorgeschichten und Gefühle. Immer wieder werden Rückblenden eingeblendet, die zwar eine Hintergrundinformationen geben, aber völlig unpassend in den Film geschnitten werden. Der Schnitt des Films ist auch das zweite große Problem von Shanghai. Sowohl in dialoglastigen Momenten als auch in den Actionszenen haben die Cutter niemals die Kontrolle über den Film. Szenen folgen aufeinander die überhaupt keinen Zusammenhang haben und den Zuschauer unbewusst verwirren. Gerade in den ruhigeren Momenten vermisst man das Gefühl für Timing. Auch in den Kampfszenen sind die schnellen Schnitte unzusammenhängend und irritierend. “Shanghai” zeigt in diesen Momenten, wie viel Macht der Schnitt in einem Film haben bzw. kaputt machen kann. Das ist schade, denn im Grunde hat der Film alle nötigen Zutaten, um ein guter Agententhriller zu sein: Zwielichtige Charaktere, geheimnisvolle Frauen und eine exotisches Setting. Rein visuell hat der Film über weite Strecken auch einiges zu bieten.Der Kameramann schafft in der Kulisse oftmals stimmungsvolle Bilder. Doch alles wirkt ein bisschen zu billig. Den Kulissen merkt man trotz einem Budget von 50 Millionen $ die Künstlichkeit an und die Musik des deutschen Klaus Badelt (“Fluch der Karibik”) ist abgemischt als ob es sich um ein Making-Of handeln würde.

Shanghai hätte ein guter Film werden können und hätte damit den “Film noir” wieder etwas Leben eingehaucht. Doch die Produktion ist insgesamt zu schwach geraten. Mikael Hafstom, dessen jüngsten Filme man am besten als spannende Unterhaltung einordnen könnte, ist für ein solch komplexes Werk einfach nicht der richtige Regisseur. Die zahlreichen Mängel des Films machen die vielen guten Ansätze kaputt, so dass am Ende doch lieber „Casablanca“ den Weg in den DVD Player finden sollte.

Wertung 4/10

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